von M., wie er seine Umwelt wahrnimmt und was er denkt; frei Schnauze im Blog
Mittwoch, 12. Juli 2017
Für wen lebst du? Etwa auch für deinen Lebenslauf, ein Stück Papier, das dir bescheinigen soll, was für spitzen Dinge du gemacht hast? Also um anderen zu gefallen, dich anzubiedern "Hey ich bin wirklich so toll wie ich sage, hier, sieh dir mein Papier an, da steht alles drauf!"; "Ist nur für den Lebenslauf, man weiß ja nie..".
Der Lebenslauf macht faul. Die Person die dieses Stück Papier beurteilt schaut auf ein kleines Set vergangener Ereignisse, die von der Gesellschaft als "erwähnenswert" eingestuft wurden. Sie schaut dabei mit dem Zukunftsblick "wird mir dieser Mensch Nutzen bringen?". Und wo bleibt die Gegenwart?



Samstag, 24. Juni 2017
Die meisten Menschen würden vielleicht nicht direkt zugeben, dass sie sich manche Objekte einfach "aus Spaß" anschaffen. Ok, manchen ist es vielleicht gar nicht bewusst, weil sie ja "das neue [hier beliebige Objektbezeichnung einfügen] brauchen".

Was Menschen in einer Überflussgesellschaft brauchen oder nicht brauchen ist wirklich ein dehnbarer Begriff.
Brauche ich ein Smartphone: Jein. Ja, weil ich es als mein Kommunikationsintrument etabliert habe, andere verlassen sich drauf, dass ich dadurch erreichbar bin. Ich verlass mich auch drauf, dass ich andere dadurch erreiche. Und: Nein, denn ich könnte auch auf andere Kommunikationskanäle umsteigen (Mail, Real-Life, Briefe, Telegramme).
Brauche ich JEDES JAHR ein neues Smartphone? Sicher nicht. Es sei denn, es funktioniert nicht und lässt sich nicht mehr reparieren natürlich. Ethisch gesehen: Ausbeutung von Rohstoffen und Menschen, die für nen Hungerlohn arbeiten.

Brauche ich ein Auto? Ja, wenn ich in einem Kuhkaff wohne und ich mich ansonsten dank fehlenden ÖPNVs kilometerweise zu Fuß durch die Wildnis bewegen müsste. Nein: wenn genügend zuverlässige ÖPNV-Angebote vorhanden sind. Ethisch gesehen: Die Umwelt sollte uns nicht egal sein, aber... ja.. hier darf kein ABER stehen. Punkt.

Brauche ich jeden Monat neue Klamotten? Nein, sicher nicht. Es ist ethisch unter keinen Umständen vertretbar, dass wie beim Smartphone Menschen (Erwachsene und Kinder) ausgebeutet werden. Aber hey, es passiert ja nicht in Deutschland sondern in Bangladesch oder China; (und selbst wenn: hier schert sich auch keiner um die Menschen, die trotz Vollzeitbeschäftigung wenig Geld verdienen und/oder ständig nur befristete Arbeitsverträge bekommen. Ok, der Staat schert sich um sie, wenn sie zu denen gehören, die sich dem bürokratischen und entwürdigenden papiermarathon stellen und um Aufstockung betteln.)

"Brauche ich ..." Diese Frage kann man sich zu allen Objekten stellen.
Knallhart gesagt "braucht" man nur seine Grundbedürfnisse zu erfüllen, sprich: Essen, Trinken, A-A und Pipi machen, ein Dach über den Kopf, etc. aber das ist schon ne harte Kur und ziemlich undenkbar; selbst in einem Selbstversorgerleben.

Ich schildere mal, wie ich früher drauf war; Stichwort Sozialisation: Ich hab von Geschenk zu Geschenk und von Geldmünze zu Geldschein gelebt. Wenn ich Ereignisse wie Feiertage oder die Konfirmation erwartet habe, dann war zu 50% an meiner Vorfreude auf jeden Fall der Anteil GESCHENK/GELD dabei (Was ich rückblickend extrem traurig finde, weil ich es auch bei meinen Freunden beobachten konnte). Ich hab viel Geld für den unnötigsten Scheiß rausgehauen. Jedes Jahr ein neues Handy, weil es ja so viele neue Funktionen mehr hat (die für meinen Umgang damit letztlich doch keinen erheblichen Mehrwert im Alltag boten); irgendwelchen anderen Schnickschnack und Kitsch, den ich nach einiger Zeit sowieso nicht mehr ansehen konnte, etc.
Dazu noch das Suchen nach Anerkennung und bewundernden Ohs und Ahs aus dem Bekannten- und Freundeskreis.
Es hat sich deutlich reduziert, wenn auch es nicht komplett aufgehört hat.

Es ist nicht nötig den vollständigen Konsumverzicht zu praktizieren, aber wenn Menschen einfach weniger wirklich Unnötiges wollen würden, mehr tauschen oder gebraucht kaufen, wäre das vielleicht ein Zeichen? Ein kleines? Vielleicht mal bewusst bei der Werbung wegschalten? Oder doch lieber der Konsumjünger mit scheinbar freiem Willen bleiben?



Donnerstag, 8. Juni 2017
Schon seit Jahren hochaktuell und viel angepriesen: Die Fähigkeit des Netzwerkens. Man kennt da jemanden, der einen kennt, dessen Freundin bei X arbeitet... etc.
Wenn Beziehungen den Charakter von Waren bekommen und es keinem was ausmacht, solange man selbst Vorteile daraus zieht und nicht ausgenutzt wird.
Wie würden wir unseren Kindern Netzwerken erklären? Ist es nicht eigentlich total menschenunwürdig jemanden auf seine Leistung oder den persönlichen Nutzen zu reduzieren? Man löscht den einen widerlichen Typen oder die blöde Tussi von seiner Freundesliste eines beliebigen "sozialen" Mediums nicht, denn: Man weiß ja nie... vllt bringt er/sie mir ja noch was.

So, einerseits gibt es einen Glauben daran, dass man es mit genug Leistung und Ausdauer weit bringen kann. Andererseits; wenn sich die Abkürzung über das Netzwerken anbietet: ja toll! Man hat ja irgendwie trotzdem "hart gearbeitet", um dahinzukommen, wo man grad steht. Beziehungen zu pflegen erfodert auch Mühe. Problematisch finde ich das, wenn es im öffentlichen Bereich stattfindet, wenn es um Politik und Arbeitsplätze geht. Oder: Vetternwirtschaft: Nur weil Papi, Mami, Onkel oder Tante den Fuß in der Tür haben und das Wissen an die Sprosse weitergeben, heißt es trotzdem nicht, dass diese den Job besser machen, als eine Person von außen.
Anders sehe ich es bei z.B. einer Dorfgemeinschaft (ist heute auch nicht mehr überall so..), wenn sich die Menschen gegenseitig bei verschiedenen Angelegenheiten (aus-)helfen.
Die Grenze zwischen den beiden Bereichen ist nicht immer klar. Aber die Auswirkungen schon; das was in einer Dorfgemeinschaft passiert, bleibt meistens auch in diesem Radius. Wenn man bei überregional agierenden Unternehmen oder Organisationen alles über Vitamin B regelt grenzt man in gewisser Weise ein Stück weit die "Außenwelt" ab, wenn man nur die Leute reinlässt die man glaubt zu kennen.
Tja, und viele bekommen dann gar nicht die Chance aufzusteigen, einfach, weil sie nicht das "Glück" hatten in ein Netzwerk hineingeboren zu werden.
Aber okay, Networking kann man natürlich lernen.
Hier ein kleiner Kurs:
Schau dir an, was deine Mitmenschen für Fähigkeiten und Kontakte haben. Arbeiten sie in einer nützlichen Position für dich? Wenn ja, dann los gehts! Nähere dich und komme mit dieser Person ins Gespräch. Versuche möglichst oft in seine/ihre Nähe zu kommen und versuche seine - positive (!) Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein paar schleimende Worte zwischendurch - bitte nicht zu dick auftragen und darauf ausrutschen - schaden nie. Versuche mithilfe verschiedener Medien in Kontakt zu bleiben, auch mal persönlich Treffen. Egos warten immer auf ein paar Streicheleinheiten, die musst du auf elegante Art und Weise leisten. Trage deine Bitte im richtigen Zeitpunkt beiläufig vor und hoffe dass was draus wird. Sollte sich irgendwann herausstellen, dass die Person sozial "abgestürzt" ist oder nicht mehr in deinem Interessensradius ist, kannst du sie fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel. Du brauchst sie dann auch nicht mit dem A***h anzuschauen, das ist dann auch okay, wieso auch?



Mittwoch, 7. Juni 2017
Sie zu haben bedeutet Macht haben. Macht über dich, eine andere Person, Sitiation, Gegenstand, etc. Kontrolle kann anstrengend sein, sie verlangt viel Aufmerksamkeit ab. Manche Menschen werden als Kontrollfreak bezeichnet. Das ist das Urteil anderer, wenn man anscheinend zu viel kontrolliert. Ob das der Fall ist muss das kontrollausführende Individuum selbst herausfinden. Es passiert nicht selten, dass Menschen anderen ein unpassendes und unwahres Label aufdrücken.
Kontrolle ist mir wichtig. Als Kind hat man vor allem im frühsten Stadium wenig Kontrolle über sein Leben. Man ist vollständig von den Eltern abhängig. Während des Heranwachsens müssen sie lernen selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, mehr Kontrolle darüber bekommen. Ich hatte nur wenig Kontrolle. Es hat sich in den verschiedensten Dingen geäußert; ich war extrem unstrukturiert, wirr, hatte Angst vor Bestrafung, Angst vor so ziemlich allem, war voll an die Familie angepasst, hatte aber extreme Probleme in allen Bereichen außerhalb der Familie. Es herrschten weltfremde, paranoide Glaubensmuster, eine Mischung aus Katholizismus und esotherischem Gedöns. Deswegen ist mein Geduldsfaden bei diesen Themen extrem dünn.
Die Kontrolle über mein Leben kam spät, aber sie kam Stück für Stück. Das sehe ich an einer eigenen Struktur, Meinung, mehr Klarheit im Denken, mehr Hinterfragen und was Wahrnehmen der eigenen Gefühle.
Es ist nicht so, dass ich vor nichts mehr Angst hab und 100% souverän agiere. Es reicht schon seinen Handlungsspielraum zu kennen; was möchte ich tun? Was ist möglich und was nicht? Kann ich das was nicht möglich scheint vielleicht auf anderem Wege erreichen?



Montag, 5. Juni 2017
Das sind Euphemismen für Menschen die wenig Geld haben, oder zumindest weniger als der Durchschnitt der Gesellschaft.
Hier ist ein Artikel von 2009 zu diesem Thema. Er ist alt aber wie sich gerade zeigt hochaktuell: http://www.sueddeutsche.de/leben/politiker-als-kleine-leute-einfache-verhaeltnisse-1.38184

Diese Wörter beinhalten ein hierarchisches Gefälle: Der Gegenpart zu "Kleinen Leuten" wäre "Große Leute", aber komischerweise sagt das niemand. Zu "Einfache Verhältnisse" würde dann was passen? "Komplizierte Verhätnisse"? Oder "Schwierige Verhältnisse"? Letztere werden aber auch eher den "Kleinen Leuten" zugeschoben..
Für mich sind das einfach nur Modewörter - völlig nichtssagend. Was sagt denn der Geldbeutel über einen Menschen aus? Unterstellt man gleich allen Leuten, die weniger als der Durchschnitt haben ein schwieriges Leben voller Gewalt und ohne Bildung?
"Bildungsfern" ist auch eins dieser ekelhaften nichtssagenden Wörter. Es fehlt der Schulabschluss? Mensch wird als dumm abgestempelt. Vielleicht ist es ja schlau dem hiesigen Schulsystem den Rücken zu kehren? Ok, darüber kann man diskutieren.
In meinen Augen dumme Menschen (ja, subjektiver Stempel, den ich Leuten aufdrücke, wenn ich merke, dass sie blöd sind und alles einfach nur nachlabern) sind die, die ihr Handeln, ihr Gesagtes und ihre Einstellung nicht hinterfragen; die also quasi geistig/intellektuell stillstehen [Erkrankte sind natürlich ausgenommen]. Das lernst du in der Schule nur bedingt. Bedingt durch gute Lehrkräfte, die nicht offen zeigen wer ihre kleinen Lieblingsschülerchen sind, die nicht nur stupides Auswendiglernen verlangen. In der Uni ist es ähnlich. Auch in solchen Institutionen kann man der Bildung "fern" bleiben und trotzdem ein Papier für seine "Leistung" bekommen. Leider kriegen die aber nicht das passende Label, im Gegenteil. Was für eine Ironie.



Mittwoch, 24. Mai 2017
Die Jugendzeit. Eine Zeit, in der man quasi gezwungen wird alles mögliche auszuprobieren. Ja, man kann ja "Nein" sagen, aber dann ist man schon der Loser... es fallen Sätze wie "Waaaas das kennst du noch nicht?"; "Oh Gott, wer hat das denn nicht getan" und was weiß ich was.
Das kann sich bis übers ganze Leben ziehen. Auch bei salonfähigen Drogen wie Alkohol: "Waaas? Du trinkst nichts?" (Dieser Satz kann fallen egal, ob man sich einfach nur an einem Tag entschließt nichts zu trinken oder ob man tatsächlich einfach keinen Bock auf Alk hat.)
"Man muss es einfach mal probieren!" - ja, der soziale Zwang in deiner kleinen Peergroup schreibt es dir vor, dass du es probieren MUSST.
So, ich gehöre jetzt nicht zu den absoluten Nichttrinkern, sondern bin eher Wenigtrinker. Während meiner Jugend hatten meine Eltern Null dagegen, dass ich mich durch Kippen und Alk probiere. Auch Gras nicht. Keine Ahnung, dennoch habe ich eine ziemliche Antihaltung gegen all diese Dinge, obwohl ich sie alle ausprobiert habe (Ja, fein gemacht, ich hab nichts verpasst. Brav alles probiert.)
Was bewirkt diese Antihaltung?
Sicherlich ist es dem Kontrollverlust geschuldet, der sich mit dem Konsumieren von Alkohol und anderen Rauschmitteln - klar, je nach Menge und Verträglichkeit - einstellt. Man gibt quasi die Eigenverantwortung ab und legt sein Leben in die Hände anderer. Andere sollen über einen wachen, damit man sich nich selbst ruiniert.
Ehrlich gesagt hasse ich diesen Gedanken abgrundtief.
Es ist nicht so, dass ich mich selbst vor Jahren nicht an Grenzen alkoholisiert hätte. Wenn auch selten, tu ichs manchmal auch heute noch (2 Mal im Jahr?). Rückblickend kann ich mein vergangenes und immer noch existierendes Ich auch irgendwie demhingehend verstehen. Manchmal macht es auch echt Spaß sich gehen zu lassen, eine Entschuldigung fürs dämlich dahinbrabbeln zu haben, "es war ja der Alk".
Kontrolle in meinem Leben ist mir aber das Wichtigste. Es ist etwas, dass ich hart erkämpft habe und teilweise noch erkämpfen muss. Nur wenige Menschen können von sich behaupten vollständig frei von Fremdbestimmung zu sein - ich bin da auch nicht drunter - aber ich schätze extrem meine eigene Fähigkeit, gewisse Dinge in meinem Leben beeinflussen zu können. Kontrollverlust seitens anderer Menschen hat mir Schaden zugefügt, auch wenn ich selbst die Kontrolle verlierem kann ich für nichts garantieren. Schade, der Begriff ist eher negativ besetzt, es gilt als eher schlecht, wenn man ein "Kontrollfreak" ist. Vielleicht schreibe ich zu diesem Thema noch einen gesonderten Beitrag.

Ich glaube mir fehlt ein bisschen der Nerv, um zu verstehen, warum es zum Beispiel Leute gibt die sich fast jede Woche die Birne zulaufen lassen, die nicht "Nein" dazu sagen können und wollen.
Ist es nicht eigentlich total bedenklich wie selbstverständlich Trinken ist? In manchen Kreisen ist es auch selbstverständlich regelmäßig zu kiffen, um "runterzukommen". Ist ja alles halb so schlimm, Alkohol und Nikotin sind ja viel böser.
Immer diese Verharmlosung. Ich gebe zu, die Drogenabschreckkampagne ist häufig überzogen und teilweise wiederlich, aber das extreme Gegenpol dazu (das meistens die Konsumenten dieser Dinge sind) ist genausowenig hilfreich. Keine Ahnung, ob es überhaupt einen Mittelweg dazu gibt. Die Legalisierung von Drogen wäre zumindest ein möglicher Mittelweg, zumindest ein Weg heraus aus der Heimlichkeit.



Freitag, 19. Mai 2017
Seitdem ich mir das Thema immer mehr bewusst mache, bemerke ich in alltäglichen Situationen, wie der Adultismus, den ich durch meine autoritäre Erziehungsberechtigte erfahren habe, mich in meinem Leben ausbremst.

Thema Respekt vor Älteren: Mir ist völlig klar, dass ich jedem Menschen mit Wertschätzung begegnen möchte. Das ist nicht immer einfach. Schwieriger wird es bei den Leuten, die glauben mir sagen zu müssen, was ich zu tun habe, weil sie glauben, aufgrund der Tatsache, dass sie älter sind, das Recht dazu hätten. Innerlich gerate ich in einen Zwiespalt: zum einen meldet sich das über meine Kindheit hinweg eintrainierte Gehorchen "der Größere/Ältere" hat Recht. Die Konsequenzen des Nichtgehorchens hallen noch heute in meinem Kopf wieder. Zum anderen kommt meine eher jüngere Antihaltung dazu, verbunden mit den verschiedensten Gefühlen der Wut, des Ärgers und Frustriertsein. Manchmal lasse ich mich überwältigen, weil mir in solchen Momenten immer nicht im rechten Moment einfällt was ich sagen soll und das gelernte Programm zum Gehorchen stärker ist.
Aber das ist keine befriedigende Lösung. Auch diese Menschen zu meiden ist nicht immer möglich. Ich habe keine Ahnung, wie man ihnen aufzeigen kann, dass das "Recht des Älteren" Schwachsinn ist.

Ohne Respekt für Jüngere und Kinder, kein Respekt für Ältere.
Der Kreis schließt sich in den Momenten, in denen das erwachsen gewordene Kind sich dazu entschließt nicht für seine Eltern zu sorgen, wenn diese mal alt und hilflos werden, weil sie versagt haben, als das Kind klein und hilflos war.



Donnerstag, 18. Mai 2017
Da wachsen einige in ihrer kleinen Blase auf, heile Welt, alle haben einen lieb, weil man die richtige Kleidung hat, die richtigen Worte sagt und die richtigen Produkte besitzt - alles selbstverständlich. Die Sprosse gehen dann brav nach der Grundschule ins Gymnasium, Abitur, Studium oder machen brav eine hochwertige Ausbildung, denn man will ja mit ihnen angeben können. "Hachja, mein Sohn studiert Mathe und Deutsch auf Lehramt, und was macht ihre Kleine so?" Der Schwanzvergleich der Eltern: was tut mein Kind grade wie und warum, nur um zu bestätigen, wie toll man sein Kind doch erzogen hat. Tja und diese Kinder werden in vielen Fällen auch solche Kackbratzen, sie haben es ja brav von jemandem gelernt.
Vor allen Dingen hasse ich es, wie solche Leute dann über "einfache" Berufe sprechen. Nein, sie sind nicht einfach, sie sind UNTERBEZAHLT. Nein, die Menschen, die diese Berufe und Jobs ausüben, arbeiten NICHT weniger, oft müssen sie leider noch mehr ihrer Lebenszeit verschwenden, um über die Runden zu kommen.
"Da muss man einfach den Arsch hochkriegen und sich bewerben, von nix kommt nix."
"Selbst schuld, dann solln se sich nen anderen Job suchen, Arbeit ist genug da."
Ja, schlecht bezahlte Arbeit ist in Massen vorhanden. Selber Schuld, wenn die Unternehmen Rosinenpickerei betreiben und Menschen auf ihren Schulabschluss und Noten reduzieren. Auch in Universitäten laufen genug Pflaumen rum, die einfach nur durch ihr Abschlusszeugnis an einen besseren Job kommen, aber das ist ja fair, denn sie wurden einfach in glückliche Verhältnisse reingeboren. Zeugnisse sind wertlos. Die wenigsten schaffen es, sich selbst zu reflektieren. Auf einem Zeugnis steht rein gar nichts über dessen Besitzer.
Wie habe ich dies und das geschafft? Welche Startbedingungen hatte ich? Wie hätte es wohl ohne diese Startbedingungen sein können? Was ist für mich selbstverständlich? Was nehme ich als selbstverständlich hin und könnte es für andere nicht sein? Höre ich meinen Mitmenschen zu? Habe ich verstanden, was sie zu mir sagen, oder ihre Worte abgetan, weil ich es glaube besser zu wissen? Verlasse ich auch mal den sicheren Hafen meiner Gewohnheiten oder glaube ich fest an sie? Was sind gute Angewohnheiten, was eher unvorteilhafte?

Was soll dieser Text jetzt? Ich hab einfach über Vergangenes nachgedacht festgestellt, dass die Engstirnigkeit mancher Menschen unermesslich groß ist. Ich hatte und habe auch solche Momente des Scheuklappendenkens und es macht mich auch wütend, dass ich mir die Scheuklappen habe aufsetzen lassen. Vor allen Dingen beunruhigen mich die Konsequenzen dieses Verhaltens und Denkens: Menschen können es merken, wenn sie nicht für voll genommen werden. Sie merken, dass das Gegenüber nicht zuhören kann oder will, nicht verstehen kann oder will. Ergebnis: Keine Wertschätzung. Scheiß Gefühl. Erniedrigender Umgang mit anderen Menschen.
Menschen können verletzt werden, wenn sie das Gefühl haben nicht angehört und gewertschätzt zu werden. Am Ende wollen sie gar nichts mehr sagen, oder sagen es auf eine Art und Weise, die unangemessen ist. Mein Text ist leider auch nicht erste Sahne, da ich nun eher die Wut und Ärger sprechen lassen habe und dazu tendiere zu verallgemeinern. Manchmal muss man seinen Gefühlen irgendwie Raum verschaffen, sie haben irgendwo eben doch ihre Berechtigung, sie verdienen auch keine Abwiegelung, sondern Wertschätzung.



Sonntag, 7. Mai 2017
Wieso ist es immer noch "in" Leute nach ihrer Nationalität zu beurteilen? Ah, die Polen machen das so und so, die Schweden machen das so und so, die Dänen so und so, etc.
Ja genau, alle X-millionen Menschen in diesem Land machen etwas so und so - und nicht anders! Alle teilen eine politische Meinung.
Ich finde solche dummen Fragen á la "Wie macht ihr das in Deutschland so?" beleidigend. Ja genau, alle 82 Millionen (oder wie viele es grade sind) "Deutschen" essen zum Beispiel gerne Bratwurst und Schnitzel. Es gibt keine Vergetarier und auch keine Veganer. Natürlich sind auch ALLE immer pünktlich. Alle haben einen tollen Job und verdienen richtig viel Geld.
Oder weitere Klischees: "Afrika ist sooo ein armes und korruptes Land."
Dass es nicht einmal EIN Land ist, interessiert die Person nicht, die mit mitleidigem oder angewidertem Blick über diesen Kontinent spricht. Und ja: Es mag für viele Regionen dort stimmen, aber die Frage wie es dazu kam, bleibt aus.
(Kleiner Tipp: Es hat damit zu tun, dass ein paar Länder in der Vergangenheit ihr Staatsgebiet erweitern wollten unter dem Vorwand, die Menschen die dort lebten zu "zivilisieren".)
Das selbe gilt auch für Lateinamerika. Interessierte können den Begriff Postkolonialismus googlen.

Was auch nervt, wenn Leute sich voll mit der Rolle als Repräsentant eines Landes oder was auch immer identifizieren. "Wir Latinos sind viel warmherziger als ihr kalten Deutschen." "Wir Deutschen haben eine tolle Arbeitsmoral". Genau, ihr seid ALLE so, es gibt keine Abweichungen. Nicht mal in einer Familie ist das homogen und trotzdem lassen Menschen gerne solche Plattitüden fallen. Nur weil es einfacher ist, solche Dinge zu sagen, heißt es noch lange nicht, dass es sinnvoll oder richtig ist.
Angeblich sind die Menschen doch so individualistisch, wo bleibt das denn in diesem Fall? Anstatt, "in Deutschland machen wir das so und so" einfach "ich persönlich mache das so und so" sagen.
Noch mal: das ist kein nur "deutsches" Phänomen (Was is schon bitte Deutsch? Es gab mal ne Zeit da war Deutschland nur ein Haufen verstreuter Gebiete... die sich nicht als Deutsch begriffen haben). Im Laufe meines Lebens hab ich schon viele Leute getroffen, die von sich als "Latinos", "Polen", "Chinesen", "Kurden" etc sprachen. Was auch immer mir das über die Menschen sagen sollte.

In meinem Post über Heimat, habe ich das Thema ein bisschen angeschnitten. Juristisch gehören wir zu einem Land. Das macht einen Menschen aber an sich nicht wertvoller oder wertloser, je nach dem wo er ist. Es ist für mich nachvollziehbar sich mit bestimmten Orten zu identifizieren, aber ganz bestimmt nicht mit juristischen, teils willkürlichen Kontruktionen wie Ländern.

Wer mehr über dieses Thema lesen möchte der kann sich mit den Werken des leider verstorbenen Ulrich Beck beschäftigen.



Samstag, 6. Mai 2017
Für alle Menschen die des Englischen mächtig sind, hier ein interessanter Artikel. Er erklärt, warum soziale Ungleichheit wahrscheinlich für immer bestehen bleiben könnte. Ungleichheit macht Menschen anscheinend nicht so viel aus, Unfairness aber schon.
In der Gesellschaft ist der Glaube, dass man "nur hart genug dafür arbeiten muss", um den "Aufstieg" (jaja auf und ab, oben und unten) zu schaffen, extrem tief verwurzelt.

https://www.theguardian.com/inequality/2017/may/04/science-inequality-why-people-prefer-unequal-societies#comments



Donnerstag, 6. April 2017
Wir leben im 21. Jahrhundert. Man dürfte meinen, dass wir "aufgeklärten", "fortschrittlichen" Menschen nicht mehr übernatürliches Gedöns konsultieren, um damit unsere Probleme zu lösen. Falsch gedacht. Laut einer Statistaumfrage glauben immer noch knapp 1/4 der Bevölkerung daran, dass übernatürliche Kräfte Einfluss auf ihr Leben haben.
Es ist eigentlich so ähnlich wie im Mittelalter, nur dass da halt Hexen die Bösen waren, jetzt sind es einfach nur "schlechte Energien", "schlechtes Karma" und was weiß ich noch alles.
Manche beschließen, dass sie einen Hellseher konsultieren, damit sie herausfinden, warum grade ihnen Leid zustößt, man hat doch selbst nichts getan.

Tja, und das ist das Problem. Passiv sein Schicksal irgendwelchen Mächten in die Hände zu legen und einfach abzuwarten, ist meistens keine gute Problemlösungsstrategie. Anstatt sich selbst zu konfrontieren, zu analysieren, ob es am eigenen Verhalten lag ("was ich? Ich will doch nur das Beste!") oder die Umstände schlecht waren (Es liegt wirklich nicht alles nur in der eigenen Verantwortung)? NIEMALS!
Schon mal darüber nachgedacht, was das eigentlich für Menschen sind? Hellseher, Astrologen?
Sie spielen mit der Angst, Unsicherheit ihrer Kunden - und ja, Menschen, die zu ihnen kommen sind vorwiegend einfach nur Kunden.
Der große Weise erzählt dann von diesem und jenem, "oh, du wirst dich mit jemandem streiten" oder "bald gewinnst du einen neuen Menschen zum Freund" - allgemeine Dinge eben, die immer passieren können, because, that's life. Der arme Kunde denkt sich glücklich "oh toll!" und lässt eine satte Geldsumme springen, für den "tollen Rat" den er bekommen hat. Im Grunde nur ein paar tröstende Floskeln, die er in besserer Qualität von echten Freunden gehört hätte - zudem auch noch völlig frei.
Ja, das ist auch eine Realität des 21. Jahrhunderts; manche sind vom geistigen Fortschritt noch weit entfernt und immer noch auf Mittelalterlevel.



Mittwoch, 5. April 2017
Es wird oft über Heimat gesprochen, auch in Verbindung mit Heimatland. Das hat mich zum Nachdenken gebracht: was genau bedeutet es für mich, das Heimatland?

Ich kann nicht behaupten, dass ich mich in ganz Deutschland zuhause fühle. Mein Zuhause ist auf eine Stadt an gewisse Orte begrenzt; also quasi in meinem Bewegungsradius.
Und das sind dann auch nicht alle Orte - an meinem Arbeitsort z.B. fühle ich vielleicht Vertrautheit, aber zuhause fühle ich mich dort nicht. An einem Ort arbeite ich, an einem anderen besorge ich meine Lebensmittel, einen Ort schaue ich mir einfach nur an, weil er angenehm ist, und so weiter. Und in meinem Haus lebe und wohne ich.

Ist mein Zuhause auch Heimat? Oder nur der Bestandteil dessen? Oder ist es ein bestimmter Ort? Eine Stadt? Ein Bundesland?
Nicht mal in meiner Heimatstadt fühle ich mich an jedem Ort wohl, in vielen Städten gehört beispielsweise der Stadtpark zu den Orten, wo man nachts nicht hingeht, weil dort öfter mal ein paar krumme Dinger laufen...
In "meinem" Bundesland kenne ich nicht mal alle Ortschaften, kann nicht mal anhand ihres Namens zumindest vage einordnen, wo sie liegen. Gut, das mag vielleicht in Berlin, Bremen oder Hamburg anders sein...

Ich schaffe es nicht, mich als Deutscher zu identifizieren. Klar, ich fühle eine gewisse Vertrautheit, wenn ich nach langer Zeit außerhalb des Landes, wieder ganz normal Deutsch sprechen kann, aber das liegt weniger am Land, sondern eher mehr an der Sprache und meinen Kenntnissen über die hiesigen Gewohnheiten etc.

Deutscher - juristisch - zu sein bringt mir viele Privilegien, ich kann fast problemlos mit meinem Pass in die verschiedensten Ecken der Welt reisen, häufig ohne Visum. Unser politischer Apparat hat beschlossen Menschenrechte und Grundrechte zu achten. Ich profitiere vom Image des Landes, man sieht mich von vornherein - ohne dass mich die Leute richtig kennengelernt haben - als zuverlässige, disziplinierte Person. Okay es gibt immer vereinzelt Ausnahmen, die nach dem N-Wort fragen, aber die Mehrheit der Menschen hatte ein überwiegend positives Bild. Es ist ein Vorurteil.

Ich könnte mich - sofern die Rahmenbedingungen stimmen (kein Krieg, keine sonstigen Gefahren z.B. durch Umweltkatastrophen, Armut etc.) - an sich überall zuhause fühlen. Es hängt natürlich von vielen Dingen ab. Möglich ist auch, dass ich niemals am neuen Ort "ankomme", mich über die Anfangszeit hinaus immer noch wie ein Fremder fühle und den Ort niemals richtig als meine "Heimat" oder mein "Zuhause" annehme.

Die Heimatdebatte in der Öffentlichkeit wurde politisiert, schon immer.
Eine Aussagen lassen mir die Haare zu Berge stehen. Der Tenor ist, dass den Deutschen ihre Heimat weggenommen wird.
Finden jetzt plötzlich Zwangsenteignungen statt? Man kann sein Zuhause auch durch finanzielle Probleme verlieren (Hartz IV). Das passiert nur allzuoft und ist viel wahrscheinlicher. Es kann auch einfach abbrennen oder sonstwas... bisher brennen vorwiegend die Heime der Geflüchteten, und das obwohl (wie ich vermute) diese Heime sich eher nicht wie ein richtiges heimeliges Zuhause anfühlen. Dafür leben einfach zu viele Menschen auf engstem Raum.
Ich lebe zum Glück nicht so. Viele andere auch nicht, also was ist das Problem?
Vielleicht fehlt den Menschen ein "echtes" Heimatgefühl, weil es ihnen - psychisch, körperlich, finanziell - schlecht geht. Bestimmt fehlt mir das Verständnis über die Identifizierung mit einem Land - ich kann es schwer verstehen, da ich nicht in einem ganzen Land zuhause sein kann, sondern nur an bestimmten wenigen Fleckchen. Und die kann mir niemand wegnehmen, es sei denn jemand bestimmt, dass sie zu anderen Zwecken plattgemacht werden sollen. So soll es in einer Stadt in meiner Nähe mit einer Schrebergartenanlage in wenigen Jahren passieren, angeblich um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ich glaube, da haben eher irgendwelche Investoren und die Stadt den Menschen etwas weggenommen, etwas, dass sie teilweise über Jahre hinweg gepflegt und genutzt haben. Ein Stück Heimat oder Zuhause in gewisser Weise, denn solche Schrebergärtchen sind oft ein Ort zum Entspannen.

Naja.. es ist ein schwieriges Thema. Ganz offensichtlich bin ich abgeschweift.



Freitag, 31. März 2017
Es heißt Adultismus.

Adultismus ist, wenn Erwachsene Kinder und Jugendliche diskriminieren, weil sie jünger und hierarchisch "auf unterer Stufe" stehen. "Ich bin ja so alt und hab viel mehr Lebenserfahrung als du kleiner Matz! Du sagst mir nichts."

Erstens: Lebenserfahrung ist nicht in Zahlen messbar, auch nicht in Jahren.
Zweitens: Selbst wenn man glaubt "mehr" Lebenserfahrung zu haben, heißt es noch lange nicht, dass man automatisch den Ton anzugeben muss und Jüngere abwertend behandeln soll.

Ich hab unzähliche solcher Erfahrungen gemacht, es tut weh daran zu denken. Aber ich bin nicht frei davon, leider hab ich mich selbst auch so verhalten, tu es wahrscheinlich immer mal wieder.
Der erste Schritt ist, sich dabei zu ertappen und diesen Kreis zu durchbrechen.